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Kulturkenner

 "Rabenkinder 
           unterwegs auf Kölner Straßen"  

Am Schönsten ist es doch immer wieder, wenn man völlig unerwartet und unverhofft auf etwas trifft, was einem Freude bereitet. So geschehen am Sonntag vor einer Woche. Wir waren mit unseren Kindern und Freunden über den Weihnachtsmarkt am Alter Markt gebummelt und nun über die Hohe Straße auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt am Neumarkt..

Die Kids waren meilenweit voraus gelaufen, froh über die Möglichkeit, die es natürlich auf dem Alter Markt nicht gegeben hatte. Aber da standen sie plötzlich alle vor einem Schuhgeschäft und bewegten sich keinen Zentimeter. Beim Näherkommen vernahmen dann auch wir die Gitarrenklänge und reihten uns direkt in die wachsende Publikumschar ein.

Da saßen ein junger Mann und eine junge Frau mit ihren Gitarren auf dem Boden und sangen sich dazu die Seele aus dem Leib. Der Mann sah aus, als wäre er frisch aus Irland importiert, und falls es einmal ein Remake des Musikfilms "The Commitments" geben sollte, wäre er die ideale Besetzung. Seine Stimme? Der Hammer! Ich klinge in etwa ähnlich, wenn ich am Abend vorher zwei Schachteln Kippen geraucht und eine Flasche Whiskey getrunken habe - nur singen kann ich leider nicht. Aber auch Isy, so der Name der jungen Frau, verfügt über eine glasklare kräftige Stimme mit jeder Menge Soul. Die Beiden singen Eigenkompositionen, die Live irgendwo zwischen Folk, Pop und Soul angesiedelt sind. Besonders der Song "Broken Precious Child" geht direkt unter die Haut und veranlasst mich dazu, meiner Kleinen 7 Euro in die Hand zu drücken, um die selbstgebrannte CD des Duos Rabenkinder zu erwerben.

 

Wir kommen einfach nicht weiter. Obwohl es schon dunkel wird und der Neumarkt ja noch auf unserem Plan steht. Aber die Kinder betteln immer wieder: "Nur ein Lied noch". Weiter geht's also erst nachdem die Rabenkinder ihr Streetconcert beendet haben. Wir freuen uns schon alle auf die Rückfahrt, um die CD anzuhören. Sieben Lieder sind darauf unter anderem auch einige deutsche Titel. 

Den Weihnachtsmarkt am Neumarkt brachten wir schnell hinter uns und kaum im Wagen bat M. darum, doch die CD der Rabenkinder einzulegen. Erst waren wir etwas überrascht, denn der erste Song “Mask of Smile” ist gut produzierter Pop, der mit dem gerade erlebten Streetconcert nur wenig zu tun hat. Aber gut! 

Isy klingt ein bisschen wie Sinead O’Connor in “Troy”. Das anschließende “Nein” erinnert mich etwas zu sehr an Stoppok, aber durchaus auch gefällig. Hier bluest der “Rabensohn”, dass es eine wahre Freude ist – anders übrigens als auf der MySpace-Seite, wie bei der dort abrufbaren Demo des Songs. Lied Nummer Drei: „ Noch lauter“. Ist das ‚ne Posaune im Hintergrund? Dann kommt „I’m not alone“. Mir gefallen die englischen Stücke etwas besser. Würde Sie aber gerne auch etwas spärlicher instrumentiert hören; um den gegensätzlichen Stimmen mehr Raum zu geben. Im Ansatz wie beim „Street-Hit “Broken Precious Child“. Gibt es denn keine vernünftige Plattenfirma mehr, die neben singenden Schäfern und Klingeltonhits das Potential dieses Duos erkennt????? 

Der stärkste deutschsprachige Song ist dann „Bei mir“. Ruhiger Song, der als Fortsetzung des Max Herre's  (bzw. Freundeskreis) und Joy Denalane's Hit „Mit Dir“ durchgehen könnte. Zum Schluss dann noch mal folkig in bester Singer und Songwriter-Manier „Please“. Genau das sag ich auch zu dieser CD. 

Fazit: Im Gegensatz zum Live-Erleben fehlt den Rabenkindern auf Konserve noch etwas die eigene Identität, aber ich bin mir sicher, da geht noch was. Hoffe bald mal wieder auf euch zu treffen und wenn ihr im Sommer noch für uns finanzierbar seid, dann holen wir euch nach Worringen ;-)

 


http://www.worringen-lebt.de/